Gefahr PDE

Ein lange unterschätztes Mopsproblem
PDE (Pug Dog Encephalitis) - Die nekrotisierende Meningoenzephalitis

Es handelt sich bei den drei oben aufgeführten Begriffen um ein und dieselbe erbliche Autoimmunerkrankung, die schwere Entzündungen des zentralen Nervensystems verursacht und immer zum Tode des betroffenen Hundes führt.

Bislang ging man - warum auch immer - von einer Quote von unter 1% betroffener Tiere innerhalb des Mopsbestandes aus (nur in sehr seltenen Fällen tritt die Erkrankung offensichtlich auch bei Yorkshireterriern, Chihuahuas und Maltesern auf). Seit Ende des Jahres 2012 gibt es in Deutschland einen Gentest, der einen Risikofaktor feststellt, welcher mit PDE assoziiert wird. Bereits nach einem halben Jahr des Testeinsatzes zeigte sich, dass mit deutlich höheren Zahlen von betroffenen Tieren gerechnet werden muss. Zu ählichen Ergebnissen kommt auch das Veterinary Genetics Laboratory (Californien): nach dortigen Erhebungen sind bereits 40% des Mopsbestandes genetisch mit der nekrotisierenden Meningoenzephalitis als Einzel- oder sogar Doppelträger belastet.
http://www.vgl.ucdavis.edu/services/PDE.php

Wie bekommt ein Mops PDE?
Der Erbgang der PDE ist autosomal-rezessiv mit unvollkommener Penetranz.
Bei autosomal-rezessiven Erkrankungen erkrankt das betroffene Tier nur dann, wenn sich auf jeweils beiden der einschlägigen Chromosomen eine entsprechende Veränderung (Mutation) eines bestimmten Gens findet.
Die PDE ist von der Genetik her allerdings deutlich komplexer als erbliche Defekte, die auf einem einfach rezessiven Erbgang beruhen. Beteiligt an der Manifestation dieser Erkrankung ist einerseits ein disponierter Genotyp, anderseits sind es aber auch Faktoren aus der Umwelt, die insoweit eine Rolle spielen können. Der Begriff "unvollständige Penetranz" drückt diese Problematik aus.

Immerhin: Laut Auskunft von Laboklin, des derzeit führend mit der Auswertung der Tests in Deutschland befassten Genlabors, beträgt die Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung bei Vorliegen des Hochrisikofaktors 80% !

Für den Züchter bedeutet das: verpaart man zwei heterozygote (mischerbige) Träger des mutierten Gens, wird rechnerisch ein Viertel der Welpen zu homozygoten (reinerbigen) Trägern und so mit einer hohen Wahrscheinlichkeit an PDE erkranken und sterben. Ein weiteres Viertel ist als unbelastet zu erwarten und die Hälfte der Welpen werden als heterozygote Träger das veränderte Gen weitertragen, selbst aber in der Regel nicht erkranken.
Verpaart man einen heterozygoten Träger mit einem homozygoten, so sind 50% heterozygote und 50% homozygote Tiere zu erwarten, die wiederum ein deutlich erhöhtes Risiko haben, an PDE zu erkranken und damit zu sterben.
Da homozygote Träger des entarteten Gens durchaus das zuchtfähige Alter erreichen können und ohne Gentest nicht zu erkennen sind, werden bei einer Verpaarung zweier solcher Tiere zwangsläufig alle Welpen zu homozygoten Trägern, was ein nicht unerhebliches Risiko einer Erkrankung und damit eines frühen, qualvollen Todes birgt.
Was kann man vorbeugend tun?

Vorbeugend kann nur und ausschließlich in der Zucht gehandelt werden!

In dem seit Ende 2012 in Deutschland zur Verfügung stehenden Gentest wird - wie bereits erwähnt - ein Risikofaktor nachgewiesen, der mit PDE assoziiert wird. Durch per Backenabstrich oder aus Blut gewonnenem Genmaterial werden Genkombinationen nachgewiesen, die das Risiko an einer PDE zu erkranken, erhöhen oder reduzieren. Das heißt, dass nicht alle Tiere, welche die Risikogene in homozygoter Ausführung tragen, zwingend erkranken, es besteht aber bei diesen Tieren ein deutlich erhöhtes Risiko der Erkrankung, das nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf. Nochmals: die Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung bei Vorliegen des Hochrisikofaktors liegt laut Laboklin bei 80%.
Ist ein Tier frei vom mutierten Gen zeigt es genotypisch N / N (homozygot für das intakte Gen).
Ist ein Tier (heterozygoter) Träger des mutierten Gens zeigt es Genotypus N / NME (heterozygot für das mutierte Gen). In diesem Fall erkrankt es in der Regel selbst nicht, gibt aber die Disposition zu der Krankheit in seinen Genen weiter.
Ein Tier, das einem erheblichem Risiko unterliegt zu erkranken, zeigt den Typ NME / NME (homozygot für das mutierte Gen).
Was kann ein Welpenkäufer tun?
Als Käufer sollte man unbedingt sichergehen, dass die Elterntiere getestet wurden und zumindest eines der Zuchttiere N / N zeigt - dann ist die Nachkommenschaft frei von Tieren der Kategorie NME / NME und eine Erkrankung dieser Welpen an PDE ist nahezu ausgeschlossen.

Der Züchterkreis für den Retromops (ZKR) gibt sich nicht damit zufrieden, dass "der Erbgang ja nicht zu 100% zum Tod eines betroffenen Tieres führt", denn immerhin handelt es sich bei der PDE um eine Erkrankung mit einem sehr hohen Krankheitswert und es ist daher schon im Sinne des Tierschutzgesetzes zu fordern alle möglichen Maßnahmen zu treffen, um das Auftreten dieser Erkrankung zu verhindern.
Der ZKR verlangt deshalb von seinen Züchtern ausschließlich mit getesteten Tieren zu züchten und empfiehlt für das weitere Vorgehen bei der Anschaffung und Vergabe von für die Zucht gedachten Tieren auf jeden Fall N/N zu verwenden!