No Show

Die Züchter des ZKR lehnen das Ausstellungswesen für den Retromops ab.
Sie werden keinen ZKR Retromopszüchter auf Ausstellungen treffen, geschweige denn mit Ausstellungserfolgen werben sehen!

Warum hat sich der Züchterkreis für den Retromops (ZKR) eine solche "Negativverpflichtung" auferlegt?
1. Konkurrenz mündet leicht in Rivalität
Die lizenzierten Züchter des ZKR arbeiten kongruent und einvernehmlich an einem neuen "alten" Rassebild des Mopses. Ein Konkurrenzverhalten nach dem Motto "Wer hat den schönsten Hund?" wollen wir vor diesem Hintergrund erst gar nicht aufkommen lassen.

Das von den ZKR-Züchtern gemeinsam verfolgte einheitliche Ziel könnte zu schnell durch die Antonymie eines Ausstellungswesens gefährdet werden.

2. Das Ausstellungswesen als Ursache von Übertypisierung und Defektzucht
Während für die Züchter in der Vergangenheit die verschiedenen Fähigkeiten der einzelnen Hunderassen im Vordergrund standen, traten mit dem Aufkommen der Zuchtvereine und des Ausstellungswesens im 19. Jahrhundert andere Maßstäbe in den Focus von Züchter und Käufer: Anstelle der für Arbeitshunde erforderlichen Qualitäts- und damit folglich Gesundheitskontrolle durch das Erbringen von Leistungen traten menschengemachte Schönheitsideale. So fand die erste Rassehundeschau im Jahre 1859 in Großbritannien statt; die erste Ausstellung in Deutschland ereignete sich 1863 in Hamburg. Gemessen an der Anzahl ausgestellter Hunde ist die vom britischen Kennel Club organisierte Crufts die größte Hundeausstellung der Welt, während die größte Ausstellung innerhalb der FCI die Welthundeausstellung ist.
Im Januar 2010 wurde in eine wissenschaftliche Untersuchung unter der Leitung des Zoologen Sir Patrick Bateson, der sog. "Bateson-Report" veröffentlicht. Der Report zeigt auf, wie Ausstellungen und die Richterentscheide die einzelnen Hunderassen stark negativ beeinflussen können, was durch die teils massiven Veränderungen im Phänotyp einzelner Rassen belegt wird.

Der ZKR vertritt wie viele Kritiker der Szene die Auffassung, dass es auch und gerade das Ausstellungswesen war, das den Mops ins ungute Extrem geführt hat. Diese Erkenntnis schließt für uns als Züchter des ZKR Retromopses eine Teilnahme an Hundeschauen aus.

3. Das "Popular Sires-Syndrom"
Ein sog. "Popular Sire" ist ein sehr häufig eingesetzter Deckrüde. Die gezielte und häufigere Verwendung guter Deckrüden ist zunächst für sich gesehen nichts Negatives - insbesondere dann nicht, wenn der Deckeinsatz von einer Nachzuchtkontrolle begleitet wird, mit der negative genetische Einflüsse möglichst frühzeitig erfasst und beseitigt werden können.
Im heutigen Zeitalter der Showhundezucht ist es in den meisten Fällen allerdings so, dass ein Rüde nicht aufgrund seiner Leistung, die ja durchaus ein Indiz für Gesundheit sein kann, zum "Popular Sire" wird, sondern weil er erfolgreich auf Ausstellungen vorgestellt wurde: Besonders hoch prämierte Rüden werden in der Regel bevorzugt in der Zucht nachgefragt, denn Welpen hoch prämierter Elterntiere lassen sich schließlich auch besser verkaufen.
Ein solcher Zuchteinsatz begünstigt nicht nur den Anstieg des Inzuchtkoeffizienten und den damit verbunden Verlust an genetischer Vielfalt sondern auch die Verbreitung rezessiv vererbbarer Erkrankungen, falls ein häufig genutzter Deckrüde ein rezessives Defektgen trägt. Erschwerend kommt hinzu, dass rezessive Gene zumeist etliche Generationen hinweg unerkannt bleiben bevor sie sich zum ersten Mal im Phänotyp eines Tieres zu erkennen geben.


Der ZKR vertritt daher die Auffassung, dass ein Ausstellungswesen die Problematik der "Popular Sires" verschärft.

4. Unvereinbarkeit von Ausstellungswesen und Kreuzungszucht
Die Zuchtgemeinschaft des ZKR beschreitet offiziell den Weg, gezielt Fremdrasse in den Mops einzukreuzen und selbstverständlich weicht ein Teil der Nachzucht in den ersten Generationen vom Typus der Ausgangsrasse ab. Genau hier findet sich die Problematik des Showwesens: Da der zu verleihende Siegertitel letztlich nichts über die Gesundheit des zu beurteilenden Hundes und wenig über seinen Zuchtwert aussagt, sondern vielmehr den ganz persönlichen Geschmack einzelner Personen widerspiegelt, würden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Retromopstypen, die noch deutlich den Einfluss der Fremdrasse zeigen, zu den weniger gut prämierten Tieren gehören. Doch es sind gerade diese, noch deutlich Fremdblut beeinflussten Tiere, die in der Regel züchterisch für uns besonders wertvoll sind. Ausstellungserfolge oder -misserfolge würden demgemäß für den Laien hier ein völlig falsches Bild widerspiegeln.

Der ZKR beschreitet den Zuchtweg einer diskontinuierlichen, nicht terminalen Kreuzungszucht. Ein Ausstellungswesen widerspricht einem solchen Zuchtweg nicht nur, sondern würde ihn geradezu torpedieren.

Abschließend möchten wir an dieser Stelle den renommierten Kynologen Hellmuth Wachtel zum Thema Ausstellungswesen zu Wort kommen lassen:
"Noch immer spricht man von "Verbesserung" der Hunderassen, doch dabei handelt es sich heute immer öfter um Karikierung und Qualzucht. Und diese Entwicklung hat der Ringrichter nicht nur nicht verhindert, sondern vielmehr ganz wesentlich mitverursacht! Kurz und gut, dieses System hat sich nicht bewährt, und das hätte man voraussehen oder wenigstens rechtzeitig abbremsen müssen!"
(aus: Hellmuth Wachtel, Rassehund wohin?, Kynos Verlag 2012)

Unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte werden Sie verstehen, warum es für die Retromopszüchter im ZKR heißen MUSS: