Retrospektive des ZKR


Oder: Was haben 30 Jahre Qualzuchtdebatte bewirkt?

"Die Zucht von Möpsen mit deutlich längeren Nasen ist zu befürworten."

Dies ist das Fazit einer vergleichenden Studie im Rahmen einer Inaugural-Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität München aus dem Jahre 2012.
Im Vergleich standen Standard- und Retromöpse als brachyzephale Rassen sowie der Beagle als mesozephale Kontrollgruppe. Die Gruppe der zu testenden Standardmöpse bestand sowohl aus Hunden aus VDH-Zuchten (24 Tiere), als auch aus Tieren aus verbandsfreien Hobbyzuchten bzw. unbekannter Herkunft (23 Tiere). Auf die Gruppe der Beagle soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden.
Es handelte sich um einen recht milden Belastungstest in Anlehnung an den im Jahre 2009 vom Deutschen Mopsclub e.V. zur Überprüfung der Zuchttauglichkeit eingeführten Test, der darin besteht, eine Wegstecke von einem Kilometer in maximal 11 Minuten in beliebiger Gangart zu absolvieren. Zusätzlich sehen die Ausführungsbestimmungen zur Zuchtordnung vor, diesen Belastungstest möglichst in den Morgen- oder frühen Abendstunden durchzuführen. Der Test gilt als bestanden, wenn sich nach spätestens 15 Minuten Herz- und Atemfrequenz wieder normalisiert haben.
Im Rahmen der Studie mussten die Hunde die geforderte Strecke von 1 km auf einem Laufband absolvieren - man verglich Herzfrequenz, Atemfrequenz und Temperatur.


Ergebnis der Studie

Signifikante Unterschiede taten sich bei den Untersuchungen der Atmung auf:
Auskultatorisch
0% der Retromöpse zeigten Atemgeräusche - hingegen 83% der Standardmöpse.
Atemfrequenz
Die Ruhefrequenz der Retromöpse lag bei 30,5 Atemzügen pro Minute - die der Standardmöpse bereits bei 51,7.
Nach Belastung lagen die Retros bei 64,1 Atemzügen - die Standards hingegen bei 102,9 Atemzügen pro Minute.
Nach der Erholungszeit lagen die Retros wieder bei 29,7 - die Standards aber immer noch bei 54,5.
Nach dem Belastungstest waren 100% der Retros nach 15 Minuten Erholung wieder im Normalzustand - hingegen konnten nur etwa 50% der Standardmöpse zu ihrer Ruheatemfrequenz zurückfinden.
Schädelmaße
Vermessungen mit anschließenden Proportionsberechnungen der Schädel von Standardmöpsen und Retros ergaben, dass Retromöpse züchterisch wieder in die Nähe der Mesozephalie (mittlere Schädelform) gelangen. Dies bedeutet, dass Retromöpse zwar noch zu den rundköpfigen Hunden gehören, aber in einem deutlich gemäßigteren Umfang als der Standardmops. So zeigten Retromöpse signifikant breitere Hirnschädel und deutlich längere Nasenhöhlen als Standardmöpse. Dies wurde in der Studie als naheliegendste Erklärung der wesentlich besseren Atmungswerte der Retromöpse während der Studie angeführt.

Als Fazit der Studie wurde die Zucht von Möpsen mit deutlich mehr Nase empfohlen - genau so wie es der Züchterkreis für den Retromops (ZKR) seit 2006 propagiert und praktiziert. Bei der Zucht des ZKR Retromopses wird also bereits seit weit über einem halben Jahrzehnt nach dieser Forderung gehandelt!

Signifikant ist nicht das Ergebnis, dass ausnahmslos alle Retromöpse den Test bestanden haben - etwas anderes war auch nicht zu erwarten! Der vorgegebene Test erfüllte nur einen minimalen Schwierigkeitsgrad und sollte für jeden gesunden - auch älteren - Hund Problem darstellen! Signifikant ist vielmehr, dass angesichts dieses ausgesprochen leichten "Belastungs"tests immerhin 52,4 % der Standardmöpse durchgefallen sind. Dabei kommt die Studie zu dem Schluss, dass insoweit kein Unterschied zwischen VDH-Möpsen und Standardmöpsen anderer Herkunft besteht!

Die Studie können Sie hier einsehen:
http://edoc.ub.uni-muenchen.de/14704/1/Martin_Verena_Marlene.pdf

Anlässlich der in verschiedenen Medien aktuell erfreulich konkreten Äußerungen der Tierärzteschaft bezüglich Rundköpfigkeit, Qualzuchtmerkmalen und erfolgversprechenden Strategien in der Mopszucht möchten wir als ZKR nach Jahren unserer Zuchtarbeit - heute, im Jahre 2013 - einmal Rückschau halten.


Wir schreiben das Jahr 1987...
Aus gegebenem Anlass fordert das Europäische Übereinkommen zum Schutz von Heimtieren bei der Zucht die Berücksichtigung anatomischer, physiologischer und ethologischer Merkmalen, die Gesundheit und Wohlbefinden der Muttertiere und der Nachkommen gefährden könnten.
Im gleichen Jahr wird das Tierschutzgesetz um einen § 11b ergänzt, der die Zucht mit Wirbeltieren verbietet wenn damit zu rechnen ist, dass bei der Nachzucht auf Grund vererbter Merkmale Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.

Wir schreiben das Jahr 1999...
Da die in § 11b TierSchG erhobene Forderung der Vermeidung von Qualzuchten in der Praxis unberücksichtigt geblieben ist, gibt das Bundeslandwirtschaftsministerium ein Gutachten zu dessen Auslegung in Auftrag. Durch das Gutachten soll eine einheitliche Beurteilungsgrundlage für die Ermittlung von Verstößen gegen §11b TierSchG geschaffen werden. Der Mops wird als brachyzephale Rasse in diesem sog. "Qualzuchtgutachten" ausdrücklich erwähnt...

Wir schreiben das Jahr 2003...
In einem Interview mit der "HundeWelt" (2/03) äußert sich die Zuchtleiterin des Deutschen Mopsclub e.V. wie folgt:
"Im Wesentlichen hat sich die Rasse nicht verändert. Natürlich bestand auch hier die Gefahr der Übertypisierung, diese konnte jedoch gebannt werden, eh es zu gravierenden Problemen kam."
Auf die Frage, ob Möpse wegen ihrer kurzen Nase bei Hitze Atemprobleme hätten, antwortet sie:
"Möpse sind sicher hitzeempfindlicher als andere Rassen. Diese Probleme dürften allerdings weniger an einer zu kurzen Nase als vielmehr an einem im Einzelfall zu kurzen Hals liegen."

Wir schreiben das Jahr 2003...
In der Zuchtstätte "vom Bromberg" startet das "Projekt Retro-Mops". Gisa Kleinschmidt setzt sich das Ziel, insbesondere dem quälenden Atemnotsyndrom beim Standardmops durch gezielte und planmäßige Einzucht genau definierter Fremdrasse ein Ende zu setzen.

Wir schreiben das Jahr 2006...
Aus dem "Projekt Retro-Mops" entwickelt sich der Züchterkreis für den Retromops (ZKR).

Wir schreiben das Jahr 2007...
Der Deutsche Mopsclub e.V. stellt den Retromops in der VDH-eigenen Zeitschrift "Unser Rassehund", Ausgabe 10/07 mit sogenannten Designerdogs auf eine Stufe und beschreibt die ZKR Züchter wie folgt:
"Schlimm sind sie die skrupellosen Vermehrer, die sich Züchter nennen und aus einer Hündin rausholen, was rauszuholen ist, Hitze um Hitze. Verlogener allerdings und nicht weniger schlimm sind jedoch die, die der Geldgier auch noch ein moralisches Mäntelchen umhängen wollen."

Wir schreiben immer noch das Jahr 2007...
In der Ausgabe 12/07 von "Unser Rassehund" moniert der Deutsche Mopsclub e.V., dass Prof. Dr. Oechtering, Leiter der Klinik für Kleintiere der Universität Leipzig, die Zuchtbemühungen des ZKR in seinen Patienteninformationen als vorbildlich erwähnt.
Die Tatsache, dass Oechtering vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) gebeten wird zum Thema Brachyzephalie zu referieren, empfindet der Deutsche Mopsclub offensichtlich deswegen als einen ausgesprochenen faux pas:
"Was ein solcher Mann als Referent auf einer VDH-Veranstaltung zu suchen hat, wird mir sicherlich irgendwann einmal jemand erklären können." wettert der erste Vorsitzende. Gleichzeitig werden ZKR Züchter in diesem Beitrag öffentlich als "Mischlingszüchter" tituliert, (Anm.: Ein Mischling ist das Ergebnis aus einer nicht geplanten Kreuzung zwischen Hunden verschiedener Rasse oder Mischlingen).

Wir schreiben das Jahr 2008...
Fast 4 Millionen Zuschauer verfolgen die Erstausstrahlung der BBC Dokumentation "Pedigree dogs exposed" (Deutschsprachiger Titel: "Rassereine Krüppel - Hunde zu Tode gezüchtet"), die sich kritisch und schonungslos mit dem Zucht- und Ausstellungswesen bei Rassehunden auseinandersetzt. Der öffentliche Druck auf Züchter und Zuchtverbände wächst - nicht nur in Großbritannien!

Wir schreiben das Jahr 2009...
Der Deutschen Mopsclub e.V. führt einen Belastungstest zur Überprüfung der Zuchttauglichkeit ein, der für die teilnehmenden Hunde darin besteht, eine Wegstecke von einem Kilometer in maximal 11 Minuten in beliebiger Gangart zu absolvieren. Über diesen Belastungstest wird sich Prof. Dr. Oechtering im Rahmen des 6. Leipziger Tierärztekongresses später wie folgt äußern:

"...Auch sogenannte "Belastungstests", bei denen der Hund zehn Minuten spazieren gehen muss, sind ganz sicher ungeeignet, die Zuchttauglichkeit zu gewährleisten, geschweige denn die fatalen Fehler der vergangenen Jahrzehnte zu korrigieren. Der Test wurde wissenschaftlich untersucht."

Wir schreiben das Jahr 2010...
Prof. Dr. Oechterings internationale Veröffentlichung "Das Brachyzephalensyndrom - Neue Informationen zu einer alten Erbkrankheit" im Veterinary Focus erregt weltweit Aufsehen. Nach seinen Erfahrungen würden die Atemprobleme brachyzephaler Rassen wie der des Mopses tendenziell nicht besser sondern zunehmend hochgradiger und treten immer häufiger bei Tieren in jüngerem Alter auf. Eindringlich appelliert er an Züchter und Zuchtverbände:

"Es ist höchste Zeit für ein radikales Überdenken der brachyzephalen Zucht. Letztlich handelt es sich bei der Brachyzephalie um eine zu 100 Prozent Menschen gemachte Erkrankung."


Wir schreiben immer noch das Jahr 2010...
Der Bateson-Report (http://breedinginquiry.files.wordpress.com/2010/01/final-dog-inquiry-120110.pdf), eine wissenschaftliche Untersuchung unter der Leitung des Zoologen Sir Patrick Bateson wird veröffentlicht. Bateson kritisiert darin, dass die einseitige Zucht im Hinblick auf Ausstellungserfolge bei vielen Rassen zu einschneidenden Veränderungen innerhalb der letzten 50 bis 100 Jahre geführt habe, da gewisse als "rassetypisch" bezeichnete Merkmale in übertriebener Form gefördert worden seien. In vielen Fällen habe dies zu tierschutzrelevanten Nachteilen für die Hunde geführt: "Für Außenstehende ist es unverständlich, dass jemand ein Tier mit Atem- oder Gehschwierigkeiten bewundern, geschweige denn erwerben kann."

Interessant: Bateson empfiehlt, in Rassen mit ungenügender genetischer Variabilität auch Kreuzungen über die Rassegrenzen hinaus in Betracht zu ziehen.

Wir schreiben das Jahr 2012...
Der 6. Leipziger Tierärztekongress steht ganz im Zeichen der Qualzucht. In dem Eröffnungsvortrag heißt es zum Thema Brachyzephalie u.a.:
"Oft wird in Züchterkreisen argumentiert, die eigene Zucht sei ja völlig gesund, schuld seien die privaten, also die nicht den offiziellen Zuchtvereinen angeschlossenen "Hobby-Züchter" beziehungsweise die schlecht gezüchteten Tiere aus dem Ausland. Das ist ganz sicher falsch. Bei den von uns behandelten Tieren mit schweren angeborenen Erkrankungen sehen wir, dass die vereinsmäßig organisierte Zucht die gleichen Organfehlbildungen hervorbringt wie wir sie bei Tieren anderer Herkunft vorfinden. ..."

Wir schreiben das Jahr 2013...
Eine vergleichende Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München aus dem Jahre 2012 wird veröffentlicht. Die Studie lehnt sich an den im Jahre 2009 vom Deutschen Mopsclub e.V. zur Überprüfung der Zuchttauglichkeit eingeführten Belastungstest an. Fazit der Studie: die bessere Atmung der Retromöpse sei auf deren verlängerten Gesichtsschädel zurückzuführen. Die Zucht von Möpsen mit deutlich längeren Nasen werde daher empfohlen.

Bemerkenswert: 52,4 % der teilnehmenden Standardmöpse bestand den nur minimalen Leistungen abfordernden Belastungstest nicht!

Wir schreiben noch immer das Jahr 2013...
Die Bundestierärztekammer veröffentlicht einen Fachartikel des Tierarztes Bodo Busch, der eine rigorose Veränderung des Zuchtziels bei der Rasse Mops fordert. Dies sei nur durch die planmäßige Einkreuzung anderer Rassen möglich!

Wir als ZKR freuen uns, dass unsere Zuchtbemühungen in Fachkreisen nun auch öffentlich als absolut anerkennenswert gewürdigt werden!