Der Zuchtweg des ZKR

Die sicherlich größte gesundheitliche Beeinträchtigung des Mopses besteht in seiner Rundköpfigkeit, die zu ernstzunehmenden Problemen der oberen Atemwege führen kann. Diese Problematik wird zusammenfassend als brachycephales Atemnotsyndrom (BAS) bezeichnet. Der Züchterkreis für den Retromops (ZKR) entstand mit dem Ziel, den heutigen Standardmops aus dem Extrem des Standards zu führen, ohne dass er seine mopstypischen Eigenschaften verliert. Zu diesem Zweck hat sich der ZKR ganz bewusst für einen in der Haustierzucht tradierten und durchaus bewährten Zuchtweg, nämlich die Einzucht einer Fremdrasse unter anschließender Rückzucht auf die Rasse Mops entschieden.

Bei der Auswahl der zur Einzucht geeigneten Rasse waren verschiedene Überlegungen anzustellen. Sie musste zunächst all die Eigenschaften im Positiven aufweisen, die bei dem heutigen Standardmops Mängel behaftet sind: eine gut ausgebildete Schnauzenpartie mit weiten, offenen Nasenlöchern, gut in den Schädel eingebetteten und damit geschützten Augen, eine sportliche und eine gut bemuskelte Figur mit festem Bindegewebe.

Darüber hinaus war zu beachten, dass viele Hunderassen mit ein oder mehreren genetisch bedingten Gesundheitsproblemen in mehr oder weniger starkem Ausmaß belastet sind. Bei einer Einzuchtmaßnahme besteht grundsätzlich die Gefahr, dass durch die eingekreuzten Hunde Gendefekte in eine Population eingebracht werden, die bislang möglicherweise nicht vorhanden waren.
Nicht unberücksichtigt bleiben durfte auch die Tatsache, dass viele Rassen den Retromops in seiner Physiognomie von dem Erscheinungsbild "Mops" wegführen würden, sei es durch eine extreme Größenveränderung oder eine Veränderung des Haarkleides. Ausdrücklich untersagt ist nach der Zuchtordnung des ZKR daher u.a. die Einzucht von besonders klein- bzw. großwüchsigen Rassen oder solchen mit langem, gelocktem oder geschnürten Haarkleid.

Unter Abwägung der vorgenannten Gesichtspunkte wurde letztlich primär der Parson Jack Russell Terrier zur Einzucht ausgewählt. Er gehört zu den wenigen Hunderassen die bislang nie ausschließlich auf "Showschönheit" sondern immer auch auf Arbeitstauglichkeit sprich Leistung und damit zwangsläufig auf Gesundheit gezüchtet wurden. Er bietet körperlich genau das, was dem heutigen Mops abhanden gekommen ist.
Der Parson Jack Russell ist zudem als Familienhund ein beliebter und intelligenter kleiner Begleiter - wie der Mops. Aus einer guten Zucht kommend und richtig geführt ist diese Rasse zwar lebhaft und agil aber keinesfalls kopflos oder unkontrollierbar. Im Gegenteil, ein solcher Hund musste schließlich "arbeiten" - was neben einer gewissen und nicht abzustreitenden terriertypischen Eigenständigkeit auch eine große Kooperationsbereitschaft voraussetzte.
Der Parson Jack Russel ist zwar ein Jagdhund, aber seine besondere Jagdpassion ist eine säuberlich züchterisch zu bewahrende Spezialisierung, die anderenfalls schnell zunichte ist. Über die Einzucht einer diesbezüglich eher desinteressierten Rasse wie dem Mops wird eine solche Spezialisierung schlicht eliminiert. [Skeptikern sei an dieser Stelle gesagt, dass züchterisch speziell zu pflegende Merkmale wie eine ausgeprägte Jagdpassion schon in den F1-Generationen weitestgehend verschwinden. Laut "Genetik der Hundezucht" (Malcolm B. Willis) ist die jagdliche Veranlagung rasseabhängig lediglich zu zwischen 10 und 30 % vererbbar.]

Durch unsere Einzuchtmaßnahmen entstehen wieder deutlich weniger rundköpfige Mopshunde, bei denen die ehemals übermäßig verkürzten Körperkonturen des sogenannten Mopsquadrats zur Normalität hin revidiert wurden. Die Nachzuchten des ZKR profitieren ungemein von dieser Zuchtmethode:
- Durch die tieferen Augenhöhlen stehen die Augäpfel nicht aus dem Gesicht hervor.
- Die Schnauzen sind prominenter und ohne dicke Rollfalte.
- Die Nasenlöcher zeigen wieder eine runde, offene Form.
- Längere Hälse und Rücken machen krankhafte Veränderungen an den Wirbelkörpern unwahrscheinlicher.
- Das Bindegewebe wurde durch unsere Einzuchtmaßnahmen fester, wodurch äußerlich Falten- und Wammenbildung reduziert wird und innerlich Strukturen wie der knorpelige Atemtrakt aber auch der Bänder- und Gelenkapparat wieder belastbarer werden.
- Die Bauchlinie ist hinter der tiefen Brust zu den Flanken hin aufgezogen.
- Eine insgesamt straffe Figur mit einer guten Winkelung der Hinterhand bestimmt das Bild.

Um an unser Ziel zu gelangen, befinden wir uns auf dem Weg einer diskontinuierlichen Kreuzungszucht, die es uns erlaubt, unsere Strategien von Generation zu Generation zu ändern und anzupassen.

Bereits Ende des 18. Jahrhunderts wurde dieser Zuchtweg durch den Engländer Robert Bakewell - ursprünglich für die Milchviehzucht - etabliert. Sein Ziel war es verschiedene positive Eigenschaften unterschiedlicher Rasse zu kombinieren, indem durch den Züchter Tiere verschiedener Linien, Rassen und Populationen gekreuzt wurden. Ergebnis hierbei ist der Anstieg der Heterozygotie. (Dies nimmt Bezug auf die Mischerbigkeit ein genetisches Merkmal betreffend.) Die Erhöhung der Anteile heterozygoter Gene vermindert im Vergleich zur Reinzucht das Risiko einer Inzuchtdepression, in der mit vermindert leistungsfähigen Tieren und mit Erbfehlern geschädigten Nachzuchten gerechnet werden muss. Weitere Nachzuchten können ohne unmittelbare Selektion des Züchters natürlich starke Varianzen aufweisen.
Genau hier greift unsere gemeinsame Arbeit im Züchterkreis für den Retromops durch die Dokumentation der Ahnen und Beratung hinsichtlich der vielversprechendsten Zuchttierkombinationen und Zuchtstrategien.